Skibindungen einstellen nach Hersteller – Marker, Tyrolia, Salomon, Look & Co.
Der Z-Wert wird nach ISO 11088 für alle Bindungen gleich berechnet – aber die Art, wie du ihn einstellst, unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller. Wo die Einstellschraube sitzt, wie das Sichtfenster funktioniert und was du bei deiner spezifischen Bindung beachten musst.
Ja. Der Z-Wert nach ISO 11088 ist herstellerunabhängig. Egal ob du eine Marker, Tyrolia, Salomon, Look, Atomic oder Head-Bindung fährst – du verwendest dieselbe Tabelle und denselben Wert. Was sich unterscheidet: die Mechanik. Den passenden Z-Wert berechnest du hier: Z-Wert ermitteln →
Marker Bindungen
Verbreitet: Marker Griffon, Griffin, Duke, Jester, Kingpin, Marker 10, Marker 12
Wo sitzt die Einstellschraube?
Bei Marker-Vorderbacken sitzt die Einstellschraube in der Regel seitlich am Vorderbackengehäuse. Das Sichtfenster ist bei den meisten Modellen an der vorderen Unterseite des Backens eingelassen – schiebe den Schuh weg und schau von vorne unten in den Backen. Beim Fersenbacken ist die Einstellschraube meist oben mittig.
Besonderheiten bei Marker
Kinematic-Konzept: Viele aktuelle Marker-Bindungen (Griffin, Griffon, Jester) haben ein System, bei dem sich der Vorderbacken beim Auslösen nach hinten bewegt statt seitlich zu drehen. Das ändert nichts an der Z-Wert-Einstellung, aber der Backen darf beim Einrasten keine seitliche Vorspannung haben.
Marker Duke / Baron / LORD: Freeride-Bindungen mit oft erweiterten Z-Wert-Bereichen (z. B. 6–16). Die Skala ist breiter – lies die Einstellwerte sorgfältig ab.
Marker Kingpin (Tourenski): Die Kingpin ist eine Pin-Bindung für den Aufstieg und eine alpine Bindung für die Abfahrt. Der Z-Wert wird am Fersenbacken eingestellt, der Vorderbacken ist nicht einstellbar. Den Kingpin immer im Fachbetrieb einstellen lassen. Mehr dazu: Tourenbindungen einstellen →
Tyrolia Bindungen
Verbreitet: Tyrolia Attack, Peak, PRW, AAA, SLR
Wo sitzt die Einstellschraube?
Bei Tyrolia-Vorderbacken ist die Einstellschraube oft vorne mittig am Backen, manchmal leicht nach oben versetzt. Das Sichtfenster liegt bei vielen Modellen seitlich am Backengehäuse. Der Fersenbacken hat die Einstellschraube häufig oben oder seitlich hinten.
Besonderheiten bei Tyrolia
Griffixx-System: Neuere Tyrolia-Bindungen (Attack, PRW) haben eine geriffelte Oberfläche ohne Schraube – den Z-Wert kannst du direkt mit den Fingern einstellen. Einfacher und werkzeugfreier als bei anderen Marken.
AAA-Technologie: Eine Anti-Rotations-Platte verhindert ungewollte Vorentspannung. Prüfe nach der Einstellung, ob die Platte korrekt eingerastet ist.
Tyrolia SLR (Kinderbindung): Geringerer Z-Wert-Bereich (0,75–4,5), angepasste Sohlenlängen. Alterskorrektur beachten – Kinderskibindung einstellen →
Salomon Bindungen
Verbreitet: Salomon Z10, Z12, Z12 Ti, Warden, STH2, S/Race
Wo sitzt die Einstellschraube?
Salomon-Bindungen haben den Einstellmechanismus am Vorderbacken traditionell seitlich, oft mit einer kleinen Pfeilmarkierung. Das Sichtfenster ist bei Salomon-Modellen häufig transparent und von oben lesbar – kein umständliches Drehen des Skis nötig. Am Fersenbacken sitzt die Einstellschraube bei Salomon oft hinten oben.
Besonderheiten bei Salomon
Schuh-Kompatibilität: Salomon-Bindungen funktionieren mit allen ISO-Normsohlen (Norm 5355), aber bei WTR-Schuhen (Walk-to-Ride) die Sohlenlänge auf dem Schuh ablesen, nicht schätzen.
Salomon S/Race und S/Race Lab: Rennbindungen mit höheren Z-Wert-Bereichen und schärferen Skalen. Nie über das mechanische Maximum drehen.
Look Bindungen
Verbreitet: Look Pivot, SPX, NX, PX
Wo sitzt die Einstellschraube?
Am Vorderbacken ist die Einstellschraube meist seitlich, mit einem relativ kleinen Sichtfenster direkt daneben. Am Fersenbacken sitzt sie klassisch oben.
Besonderheiten bei Look
Look Pivot: Die Pivot-Bindung hat einen vollständig drehbaren Pivot-Backen, der sich komplett um die Achse dreht. Das sorgt für eine weichere, kontrolliertere Auslösung. Viele erfahrene Fahrer stellen die Pivot deshalb einen Tick höher ein als den Tabellenwert – eine Ermessensentscheidung auf eigene Verantwortung.
Wichtig bei der Pivot: Die Einstellschraube am Fersenbacken ist der zentrale Einstellpunkt – sie bestimmt sowohl die seitliche als auch die vertikale Auslösung am Fersenbacken. Doppelt sorgfältig ablesen.
Atomic Bindungen
Verbreitet: Atomic Warden, Hawx, Shift
Atomic und Salomon gehören zum selben Konzern und teilen viele technische Grundlagen. Die Einstellmethode ist daher der Salomon-Methode sehr ähnlich: seitliche Schraube am Vorderbacken, Sichtfenster von oben lesbar, Einstellschraube am Fersenbacken oben.
Atomic Shift (Touring/Freeride): Ähnlich wie der Marker Kingpin – für den Aufstieg verriegelter Frontbacken, für die Abfahrt volle alpine Funktion. Einstellung vom Fachbetrieb empfohlen. Alle Details: Tourenbindungen einstellen →
Head Bindungen
Verbreitet: Head PR11, Freeflex, Attack
Head und Tyrolia sind konzernverwandt (HTM Sport). Viele Head-Bindungen sind baugleich mit Tyrolia-Modellen und werden mit demselben Einstellmechanismus geliefert. Das Griffixx-System (werkzeugfreie Einstellung) findet sich auch bei Head-Bindungen der Attack-Linie.
Wie erkenne ich mein Bindungsmodell?
- Schau oben auf den Vorderbacken – Markenname und Modell sind meistens geprägt oder aufgedruckt
- Am Fersenbacken steht oft der Z-Wert-Bereich (z. B. „4–12") und das Modell
- Alternativ: Suche nach der Seriennummer auf der Unterseite des Fersenbackens
Häufige Fragen zu Bindungsmarken
Kann ich eine Salomon-Bindung mit einem Marker-Schuh kombinieren?
Ja, solange beide die ISO-Norm 5355 (alpine Standardsohle) erfüllen. Probleme können entstehen, wenn herstellerspezifische Sohlenformen (WTR, GripWalk) mit Bindungen kombiniert werden, die dafür nicht zugelassen sind.
Welche Bindungsmarke ist die beste?
Alle etablierten Marken (Marker, Tyrolia, Salomon, Look, Atomic, Head) erfüllen die ISO-Norm und funktionieren zuverlässig, wenn sie korrekt eingestellt sind. Die Wahl hängt von Skityp, Schuh und persönlicher Präferenz ab.
Halten Bindungen ewig?
Nein. Die meisten Hersteller empfehlen eine Prüfung nach spätestens 10–15 Jahren. Materialermüdung der Federn lässt sich optisch nicht erkennen.
Wenn du die Schritte zur Selbsteinstellung suchst, findest du sie hier: Skibindung selbst einstellen – Schritt für Schritt →